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Vom mutig sein

Auf der Brücke

In wenigen Tagen geht mein Flug. Die letzten Tage hier in München verbringe ich mit Familie und Freunden, stelle mich jeder Menge Fragen und freue mich darauf bald dem komisch herbstlichem Wetter im Winter und beginnendem Februar zu entfliehen.

Mutig? Ich? Eher nicht!

Häufig höre ich in den letzten Tagen, dass ich wirklich mutig bin alleine 6 Monate los zu ziehen ohne vor Ort viel zu organisieren. Aber ist das wirklich mutig? Erfordert die Entscheidung für ein Sabbatical besonders viel Wagemut und steht dahinter ein großes Risiko?
Natürlich weiß ich noch nicht, wie mein Urteil in sechs Monaten ausfallen wird, momentan habe ich aber nicht den Eindruck als würde das was ich mache besonders viel Mut erfordern. Ich glaube immer noch die meiste Überwindung macht die erste Entscheidung. Sich darüber klar werden was man möchte, sich selbst gegenüber einzugestehen, dass man sich Zeit nehmen möchte um etwas Neues kennenzulernen und dafür zumindest auf Zeit den Alltag und die vielen Annehmlichkeiten hinter sich zu lassen benötigt schon Mut, das gebe ich zu. Und auch der nächste Schritt, das Formulieren dieses Wunsches gegenüber Familie, Freunden, Kollegen und dem Arbeitgeber ist natürlich nicht ohne. Naturgemäß muss man sich vielen Fragen stellen. Was machst du dann die ganze Zeit? Wie willst du das finanzieren? Fliehst du vor irgendwas? Bist du unzufrieden? Was erhoffst du dir? Solche und ähnliche Fragen höre ich in den letzten Monaten häufig. Und ich verstehe das. Ich habe mir diese Fragen ja auch gestellt. Und ich kann sie eigentlich alle beantworten. Zumindest soweit, dass mich die Antwort zufrieden stellt. Und das reicht mir.

Prioritäten setzen

Ich habe einfach entschieden, dass in den nächsten sechs Monaten für mich das Reisen, das alleine mit mir klar kommen, mit wenig auskommen und den vielen Tinnef zurück zu lassen mit dem ich mich täglich umgebe, das Kennenlernen von anderen Lebensweisen und gleich gesinnten Reisenden Priorität hat. Und ich habe auch darauf die letzten Monate ausgerichtet. Wichtig war mir in den Monaten der Vorbereitung die nervigsten organisatorischen Hindernisse möglichst schnell und umfassend aus dem Weg zu räumen, Geld zur Seite zu legen und mich gut vorzubereiten. Seit etwa Juni 2012 war mir klar was ich will und hab einfach alles danach ausgerichtet.

Gut vorbereitet sein

Mit einer guten Vorbereitung meine ich wirklich nicht, einen Reiseplan für die nächsten 6 Monate festzulegen. Ich zum Beispiel weiß nur, wo ich die erste Woche sein werde und auch nur, weil ich dann erst meinen Weiterflug von Bangkok nach Kambodscha habe. Alles was danach passiert passiert einfach.
Aber ich habe mich vorher informiert und möglichst wenige böse Überraschungen zu erleben. Ich habe wichtige Dokumentkopien online und offline hinterlegt, ich habe eine ungefähre Vorstellung davon wie die Länder in die ich eventuell gerne einreise möchte mit Ein- und Ausreisebestimmungen umgehen und worauf ich achten sollte. Ich weiß wohin ich nicht sollte, was gefährlich sein könnte und wie ich mich in verschiedenen Situationen verhalten sollte. Ich habe in Deutschland soweit alles geregelt, dass ich mich schon fast darauf verlassen kann keine allzu bösen Überraschungen zu erleben. Das meine ich mit einer guten Vorbereitung.

Ja, ich glaube mutig war ich mit der ersten Entscheidung. Und ja, das Formulieren des Wunsches für gewisse Zeit einen Ausstieg zu „wagen“ erfordert manchmal Diskussionen. Und ja, dann alles in die Wege zu leiten sollte nicht unbedacht geschehen. Aber ich war mir recht schnell sicher und dann ist eigentlich alles ein Klacks.
Jetzt beginnt der einfach Teil. Ich freue mich aufs Reisen und die vielen neuen Eindrücke die ich sammeln werde. Besonders mutig finde ich mich jetzt nicht mehr.

über

Diplom-Soziologin, Produktmanager, Certified ScrumMaster und DiveMaster. In Hamburg zu Hause, in München dahoam. Mehr zu mir gibts hier.

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