Vietnam

Vietnam 2012

Vietnamesische Flagge

Meine Reise nach Vietnam im Februar 2012 war für mich ein Wendepunkt. Eine Reise, die in mir den Wunsch geweckt hat etwas anderes zu machen, Abstand von meinem Alltag zu nehmen und eine Zeit lang das Leben auf mich zukommen zu lassen. Insofern möchte ich hier von dieser Reise erzählen, auch wenn die Reise selbst ein ganz normaler Urlaub war und mit meinem Sabbatical nur am Rande etwas zu tun hat.

Vietnam 2012An meinem Geburtstag wollte ich unbedingt irgendwo sein, wo es warm ist. Ich habe Anfang Februar Geburtstag und da scheiden viele Orte und Länder aus. Nach einigem Hin und Her fiel die Entscheidung auf Vietnam. Ich war ein paar Mal in Thailand und Südostasien hat mir sehr gefallen, Thailand sollte es aber nicht noch mal werden. Ich muss gestehen, ich hatte vor meiner Reise nicht viel Ahnung von Vietnam, den Vietnamkrieg kenne ich wie so viele nur aus (amerikanischen) Filmen und der Indochinakrieg sagte mir höchstens sehr dunkel etwas. Ich bin jetzt 31 und habe das damals also nicht bekommen, in der Schule haben wir das Thema soweit ich mich erinnere nicht behandelt. Von Agent Orange hatte ich schon mal gehört und dass die Amerikaner damals mit chemischen Waffen experimentiert haben. Zugegebenerweise war es das aber auch schon.

Um ehrlich zu sein war mir das Ausmaß der französische Rolle in Indochina nicht bewusst. Ich habe mich einfach nie damit beschäftigt. Entsprechend war ich auch einigermaßen überrascht zu lesen und dann auch zu sehen wie stark der französische Einfluss ist. Vietnam sieht vor allem in Saigon und Hanoi an vielen Ecken anders aus als ich es mir mal vorgestellt hatte.

Visum

Als deutscher Staatsangehöriger braucht man ein Visum für Vietnam. Das kann man im Vorfeld bei der Vietnamesischen Botschaft in Berlin beantragen. Ich habe für das Expressvisum 88 Euro bezahlt, diese zusammen mit dem ausgefüllten Antragsformular, zwei Passbildern, dem original Reisepass und einem frankiertem Rückumschlag nach Berlin geschickt und innerhalb von 5 Tagen den Pass mit eingeklebtem Visum wieder gehabt.
Generell sollte man sich bei einer Reise nach Vietnam Anfang des Jahres über den Zeitpunkt von Lunar New Year erkundigen, denn in der Festwoche ticken die Uhren in Vietnam anders. Die Vietnamesen feiern dieses Familienfest mit und bei ihren Familien, daher ist vieles geschlossen und der Reiseverkehr innerhalb Vietnams ist enorm.

Geld

GeldIn Vietnam wird mit dem vietnamesischen Dong bezahlt, in den Städten auch mit Dollar. Ich hatte 120 US-Dollar am Flughafen in Deutschland besorgt, mich aber bei Ankunft gleich am Flughafen in HCMC mit Dong an einem der vielen ATMs versorgt. Hier kann ich die Kreditkarte der DKB empfehlen, da sie keine extra Gebühren erhebt.

Vietnam ist im Vergleich zu Deutschland natürlich sehr billig, aber wenn man nicht gerade sehr Low-Budget unterwegs kann man hier auch einiges an Geld lassen. Vor allem Übernachtungen summieren sich wenn man alleine reist schnell, da man in Städten für ein Standard-Zimmer (welches eigentlich immer ein Zweibettzimmer ist) selten unter 20 Dollar pro Nacht auskommt. Auch wenn das Hotel einfach ist. Westliches Essen und Bier ist Luxus und entsprechend teuer und Alkohol generell nicht so teuer wie in Deutschland, aber auch nicht besonders übertrieben billig. Einheimisches Essen (welches sowieso die bessere Wahl ist), Transport, Eintritt und Ausflüge sind nach unserem Standard dagegen sehr billig. Ich habe während meiner Reise etwa 70 Euro im Schnitt pro Tag ausgegeben. Das ist ziemlich viel, ich habe auch überhaupt nicht auf Geld geachtet und zum Beispiel rund um meinen Geburtstag in einem ziemlich teurem Bungalow am Strand gewohnt. Zudem habe ich meine beiden Inlandsflüge sehr kurzfristig gebucht und dabei einiges an Geld gelassen, die reißen den Schnitt ordentlich nach oben.

Internet und Telefon

Für einen kleinen Pseudo-Nerd wie mich war Vietnam ein Paradies. An praktisch jeder Straßenecke, in fast jeder Bar und in annähernd jedem Hotel gibt es freies WiFi. Selbst am Strand konnte ich meine Mails checken, twittern oder whatsappen. Facebook ist übrigens in Vietnam teilweise nicht zugänglich und kann dann nur über Proxy erreicht werden. Offiziell ist es nicht gesperrt, aber ich bin ohne Proxy eigentlich nie rein gekommen. Die theoretische Verfügbarkeit muss man mögen, schon klar. Und man muss aufpassen nicht den halben Tag mit „Daheim“ zu kommunizieren. Aber praktisch ist sie auf jeden Fall. Außerhalb von Städten und unterwegs ist die Verfügbarkeit natürlich etwas schlechter, generell konnte ich aber fast überall über WiFi online gehen.

Um mich mit anderen Reisenden und Auswanderern verabreden und austauschen zu können ohne meine Telefonrechnung zu belasten habe ich mir eine vietnamesische SIM-Karte gekauft. Die gibts an jeder Ecke zu kaufen. Ich hatte eine von Viettel. Die Karte und Startguthaben haben – wenn ich mich richtig erinnere – zusammen 6 US-Dollar gekostet. Ich habe 300 SMS im vietnamesischen Netz geschrieben, einige Male telefoniert innerhalb Vietnams und einmal auch ein etwa fünfminütiges Gespräch nach Deutschland geführt. Das Guthaben konnte ich trotzdem nicht aufbrauchen. Es lohnt sich also auf jeden Fall ein paar Dollar zu investieren, wenn man zu Hause keine böse Überraschung erleben möchte.

Essen und Trinken

Vietnamesischer KaffeeEs gibt hervorragendes Baguette und sehr guten, sehr starken Kaffee der mit gesüßter Kondensmilch kalt oder heiß getrunken wird. Ich bin mittlerweile fast süchtig nach diesem Kaffee und bestelle mir – schlechte Ökobilanz hin oder her – regelmäßig Nachschub. Die Kaffeebereiter kann man in allen Größen überall auf den Märkten oder in Läden kaufen. Ein tolles Mitbringsel! Der Kaffee ist in Deutschland leider auch in Asia-Märkten recht schwer zu bekommen. Ich habe mittlerweile in Hamburg einen Laden gefunden, der allerdings nur eine Sparversion des guten Kaffees zu einem überteuertem Preis anbietet.

Pho BoZum Frühstück und zu Mittag isst man Phở Gà (Huhn) oder Phở Bò (Rind), eine klare Brühe mit Reisnudeln und dünnen Scheiben Fleisch. Lauchzwiebeln und Koriander sind meistens schon in der Suppe, Chilis, Mungobohnenkeime, Minze und Limetten kommen meist extra zum selberwürzen. Kardamom und Sternanis geben Pho eine spezielle Note. Mit Fischsauce gewürzt ist Phở wirklich köstlich und ich habe jeden Tag mindestens einmal zum Frühstück oder an Straßenständen welches gegessen.

Baguette wird zu Hauptgerichten gegessen, ist aber auch als Snack an jeder Straßenecke zu kaufen. Banh Mi ist in seiner Grundform ein Baguette mit Mayonaise, irgendeiner Paste (man sagte mir, ich wolle gar nicht wissen aus was die besteht), Fleisch und Gemüse. Es gibt alle möglichen Varianten. Die Paste hab ich tatsächlich nie hinterfragt und stattdessen einfach im Gehen ein Banh gegessen und es genossen.

Duck Pot in Can Tho

Duck Pot in Can Tho

Vor allem in Südvietnam isst man häufig Pots, kräftige Brühen mit Fleisch- oder Fischeinlage, Gemüse und Reisnudeln und Baguette. In Can Tho war ich in einer Garküche in der es nur ein Gericht gab. Duckpot war die Spezialität des Hauses und war eine fettige Entenbrühe mit Entenfleisch, getrockneten Nudeln und Reisnudeln, Minze, Lauchzwiebeln und etwas, was wie ich dachte Leber ist. In Wirklichkeit war das gestocktes Entenblut. Klingt ekliger als es ist, aber nachbestellt habe ich auch nicht gerade.

Auf Phu Quoc habe ich mich eine Woche lang ausschließlich von Fisch und Meeresfrüchten ernährt und Obst ist in ganz Vietnam, vor allem aber im Süden – in Mekong Delta Nähe – ein Traum. Verhungern muss man in Vietnam wahrlich nicht. In den Städten haben sich ziemlich viele internationale Restaurants angesiedelt, in Hanoi habe ich die schlechteste Pizza meines Lebens gegessen. Selber schuld!

über

Diplom-Soziologin, Produktmanager und Certified ScrumMaster. In Hamburg zu Hause, in München dahoam. Mehr zu mir gibts hier.

1 Kommentar

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