Ein Tattoo von einem buddhistischem Mönch! – Hin und zurück
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Ein Tattoo von einem buddhistischem Mönch!

Du bist Anfang dreissig und schon dein ganzes Leben auf Sicherheit bedacht. Du hast nie Drogen genommen, weil dich das Gefühl die Kontrolle zu verlieren total verschreckt. Du bist eher ein bisschen spießig als draufgängerisch und du weißt gerne was als nächstes passiert. Du bereitest dich vor auf jede Situation und gehst gefährlichen eher aus dem Weg.
Pagode beim Wat Bang PhraUnd dann sitzt du auf einem Motorrad hinter einem alten Thai ohne Zähne, der mit 100 Sachen eine schlimme Straße ganz am Rand entlang braust. Du kriegst manchmal Äste fast ins Gesicht, an den Arm mehrmals. LKW rasen an dir rechts vorbei. Der alte Motorradfahrer trägt einen Helm. Du nicht. Er hat dich an der Schnellstraße aufgegabelt, als du aus dem Bus gestiegen bist ohne auch nur den leisen Hauch einer Ahnung zu haben ob du annähernd richtig bist. Du bist auf dem Weg dir ein heiliges Sak Yant stechen zu lassen, ein buddhistisches Schutztattoo, welches sich der Mönch der es sticht selbst aussucht. Und auch die Stelle an der er es sticht. Und europäischen Hygienevorschriften würde das alles selbstverständlich nicht Stand halten. Das ist aber eigentlich egal, weil du dir sicher bist, dass du eh nicht ankommen und auf dieser Landstraße im Graben landen wirst. Und dann kommst du doch an am Wat Bang Phra, dem „Tempel einiger Mönche“ im Hinterland von Bangkok, etwa 60 Kilometer und tausend Tode von der thailändischen Hauptstadt entfernt.
Am Morgen meines 32ten Geburtstags hab ich mich auf diesen Weg gemacht. Nur warum?

Warum ein Sak Yant?

Wat Bang Phra Tattoo tempelIch mag Tattoos sehr gerne. Ich finde sie wirklich schön. Ich hab trotzdem keines. Bis jetzt gehabt. Es gab bisher kein Motiv und keine Stelle, von der ich felsenfest überzeugt war. Ich kenne kein Symbol das mich, meine Prinzipien oder meine Werte beschreibt. Und einfach – weil ich es schön finde – in ein Tattoo Studio zu gehen und mir aus einem Katalog etwas auszusuchen kam mir immer schon falsch vor. Ich habe also nie das richtige gefunden und habe ein Tattoo nie als reinen Körperschmuck begriffen sondern als etwas, das etwas bedeuten sollte. Und dann habe ich – in Vorbereitung auf meine Reise während des Sabbaticals – von den Sak Yants gehört. Die Idee, dass nicht ich das Tattoo aussuche, sondern das Tattoo sich mich aussucht hat mich von Anfang an fasziniert. Mir als altem Kontrollfreak wurde es völlig egal was sich der Mönch aussuchen würde wenn ich vor ihm im Schneidersitz sitze. Er hätte mir auch einen Schmetterling auf die Fessel tätowieren können (Na gut, das vielleicht nicht.) Für die Thais ist es eine Ehre ein heiliges Sak Yant zu erhalten und für mich ist es das auch. Ich hoffe nur, dass ich niemandem damit zu nahe trete mir eines gestochen haben zu lassen. Ich find ja auch Touristen, die sich in ein Dirndl oder in eine Lederhose quetschen doof, wenn sie keine Verbindung dazu haben. Auch wenn der Vergleich natürlich hinkt, das Sak Yant bedeutet mir wirklich etwas. Vielleicht etwas anderes als einem Buddhisten. Aber ich glaube das sie etwas bedeuten. Und als der Mönch leise hinter meinem Rücken gebetet hat und dann auf das Sak Yant pustete um es zu aktivieren ist mir ein Schauer den Rücken herunter gelaufen. Und ich wusste, dass es eine gute Entscheidung war. Bis jetzt habe ich von Thais eigentlich eher Anerkennung gespürt. Die Thais sehen sofort und sind beeindruckt, dass ich ein echtes Sak Yant trage und es nicht in einem Studio auf der Khao San hab machen lassen.

Wie man hin kommt

Wat Bang PhraIch habe einiges darüber gelesen wie „man“ hinkommt. Wie man wirklich hin kommt kann man prima bei Ian nachlesen. Bei mir war es ein wenig holprig und zwischendurch dachte ich immer mal wieder, dass ich auf dem falschen Weg bin. Ich bin also morgens um halb sechs losgezogen und hab verschiedenen Taxifahrern versucht zu erklären, dass ich zum Victory Monument zum Busbahnhof will. Keiner hat mich verstanden aber alle haben freundlich dreingeschaut. Einem habe ich dann erklärt, dass ich in die Nakhon Pathom Province möchte. Darauf nickte er und fuhr los zu einem Busbahnhof. Ich bin mir immer noch nicht sicher ob ich am richtigen war. Ich glaube eher nicht. Die vielen Minibus-Fahrer von denen Ian schrieb, die man nur ansprechen müsste dann wüssten sie schon wo man hin will gab es nicht. Aber ich war an einem Busbahnhof. Immerhin. Ein paar Leute haben nur den Kopf geschüttelt, als ich von der Nakhon Pathom Province sprach. Eine hektische Lady nickte dann auf einmal heftig und ich versucht ihr klar zu machen, dass ich in den Nakhon Chai Si district möchte. Sie nickte weiterhin sehr freundlich und steckte mich in einen Bus auf dem „Floating Markets“ stand und stieg selbst auch ein. Niemand im Bus hat mich verstanden. Ach doch, ein spanisches Pärchen auf dem Weg zu den Floating Markets aber die hat dann wiederum niemand ausser mir verstanden. Ein Teufelskreis. Ich hab mich fast schon meinem Schicksal ergeben, dass ich eben nicht zum Wat Bang Phra kommen würde und es an einem anderen Tag noch mal versuchen müsste, mir heute aber dann zumindest die Floating Markets anschaue und eben auf eine Touristenverarsche reingefallen bin.
Nach einer halben Stunde Fahrt schaut mich die Lady erschrocken an, sagt etwas zum Busfahrer und der Bus bleibt relativ abrupt stehen. Die Lady winkt mir zu, schickt mich nach draußen, grinst wieder und sagt nickend „Nakhon Chai Si district“ und der Bus fährt weiter. Da stand ich dann an einem Highway in the middle of nowhere. Je weiter weg man von den Touristenbezirken ist desto mehr hilfsbereite und wirklich nette Menschen trifft man. Das sollte mir noch mehrmals an dem Tag passieren. Ein Thai um die 40 kam auf mich zu und fragte – auf Thai – wo ich hin wolle. Da mein Thai verhältnismässig schlecht ist und sich auf „Hallo“ und „Danke“ beschränkt war das dann gar nicht so einfach. Aber er winkte eingangs erwähnten Motorbike-Fahrer ran, der mir versprach mich für 100 Baht (2,50 Euro) zum Wat Bang Phra zu bringen. Da der Bus nur 25 Baht (also 60 Cent) kostete war ich noch gut im Plus. Die Fahrt war abenteuerlich, aber wider Erwarten haben wir beide überlebt. Fast schon möchte ich den alten Mann umarmen aber mir scheint er macht sowas öfter und hat offensichtlich bisher immer überlebt. Wahrscheinlich war das für ihn keine große Sache.

Wie man sich das vorstellen muss

Den Trip zum Tempel kann man nicht einfach so in der Khao San Road buchen. Gott sei Dank. Ich bin zufällig bei Just Travelous darüber gestolpert. Yvonnes Blog ist übrigens sehr lesenswert. Von dort aus hab ich mich dann immer weitergelesen und weitere Infos gefunden. Ich hab mir alles mögliche dazu durchgelesen und ich war ziemlich bald überzeugt davon, dass ich auf jeden Fall hin möchte. Ob ich mich trauen würde war mir nicht klar. Man kann keine Termine machen und es „kostet“ auch nicht wirklich etwas. Es bietet sich an so früh wie möglich da zu sein, ich war seit etwa halb sechs unterwegs und gegen halb acht dort. Je früher desto besser. Wer zu spät kommt, kommt einfach nicht mehr dran. Und die Bezahlung? Man kauft vor dem Tempel eine Sachspende. Ein solches Paket als Opfergabe besteht aus einer Orchidee, einer Kerze, Räucherstäbchen und Mentholzigaretten. Ich hab leider nicht so richtig rausgefunden, was es damit auf sich hat. Bezahlt hab ich 75 Baht dafür, später im Tempel musste ich noch mal 25 Baht in die Opferschüssel dazulegen. Und es kostet Demut. Ich fühlte mich ein bisschen wie ein Eindringling und hoffte, dass die anderen und vor allem die Mönche mich nicht als jemanden wahrnehmen, der hier ist weil er sich Geld sparen will oder weil Angelina Jolie das auch hat machen lassen. Um ehrlich zu sein hatte ich die ganze Zeit Angst etwas falsch zu machen. Ich hab mich so gut es ging an den anderen orientiert. Ob ich das richtig gemacht habe weiß ich nicht. Ich war der einzige Farang weit und breit.
Angekommen streunerte ich erstmal durch die Anlage. Leider kommt auch hier keiner auf mich zugerannt um mir zu sagen wie es jetzt weitergeht. Als ich den Stand mit den zu kaufenden Opfergaben gefunden habe und den Eingang zum eigentlichen Tattootempel wurde ich erstmal nicht weiter beachtet. Als ich dann die Gaben kaufte meinte der junge Mann am Stand „No Women“ und gestikulierte wild. Ich war verwirrt. Bis ich dann verstanden habe, dass im unteren Bereich keine Frauen tätowiert werden, nur oben. Damit konnte ich leben, Treppen gehen kann ich ja. Ich kam in einen Raum in dem etwa zwanzig Menschen saßen, ein Mönch. Ich setzte mich auf den Boden und wusste nicht so recht, was jetzt passiert. Ein jüngerer Thai erklärte mir mit Händen und Füssen, dass ich meine Opfergaben schnell in die Schale legen müsse, der andere Mönch käme gleich. Also tat ich das und gleich darauf kam Luang Pi Nunn herein. Er ist einer der angesehensten Meister und es ist eine grosse Ehre und ein grosses Glück von ihm tätowiert und gesegnet zu werden. Eine Gruppe von etwa zwölf Leuten (die anderen waren offensichtlich die Gruppe des zweiten Mönchs) scharte sich – zusammen mit Luang Pi Nunn – um die Schale und jeder berührte sie mit gesenktem Kopf. Ich tat es nach. Mit dieser Geste nimmt der Mönch die Opfergaben entgegen und bestätigt, dass er dafür segnen wird. Dann wurde einer nach dem anderen tätowiert. Das Symbol wird nach Bamboo-Art gestochen. Es wird zwar kein Bambus mehr verwendet sondern eine (ich vermute) Stahlstange mit etwa 50cm Länge, diese wird wie der Bambus freihändig immer abwechselnd in Tinte getaucht und dann in die Haut gestochen.
Ich setzte mich und wartete. Und wartete. Die Tattoo