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Chinatown in Deutschland

Chinese Gate

„Chinatowns gibt es doch auf der ganzen Welt in größeren Städten.“ sagt ein Kanadier zu mir und ich muss überlegen. Ich kenne in Deutschland keine Stadt mit einem speziell chinesischen Viertel. Und ja, sonst auf der Welt gibt es das auf jeden Fall. Straßenzüge in denen man kurz glauben kann wirklich in China zu sein. Viertel in denen überwiegend Menschen chinesischer Abstammung arbeiten, leben, verkaufen und einkaufen. Und in denen man das sieht. In Kuala Lumpur ist mir das begegnet. In Saigon und Bangkok. Im vietnamesischen Hoi An mit einer Mischung aus japanischen und chinesischen Einflüssen sind die Eindrücke überwältigend. Und sogar in einer kleinen Stadt wie Kota Bharu gibt es ein Chinatown. Und in Penang in Georgetown liegt Little India direkt neben Chinatown. Auf der Suche nach Informationen warum es in Deutschland keine mir bekannten solcher Viertel gibt stoße ich auf Hamburg. „Han Bao“, die „Burg der Chinesen“ wie man die Hansestadt in China auch nennt hatte tatsächlich mal etwas wie ein Chinaviertel. 1907 waren immerhin 207 Menschen chinesischer Abstammung in meiner Wahlheimat gemeldet. Gerade begann eine Bewegung, während der chinesische Seeleute nach Europa kamen und gelegentlich „hängenblieben“. Sie kamen als Seeleute in die Städte, ließen sich nieder und arbeiteten dort dann entweder im Hafen, in Restaurants und Imbissen oder in Wäschereien. Während und nach dem ersten Weltkrieg verringert sich die Zahl der in Deutschland gemeldeten Chinesen, bis 1927 steigt die Zahl dann wieder auf 150. Die kleine Gemeinde, die auf St. Pauli das Chinaviertel bestimmt wird allerdings von den Nationalsozialisten im Zuge der sogenannten Chinaaktion aufgelöst und deportiert. Dabei wird auch eine Opiumhölle aufgelöst, die sich spannenderweise nur wenige Meter von meinem momentanen Büro am Pinnasberg in der Nähe des Fischmarktes befunden hat. Han Bao, also Hamburg unterhält enge wirtschaftliche und soziale Beziehungen zu China, die Partnerstadt ist Shanghai und in Hamburg soll es bald wieder ein Chinatown geben. Die beiden Weltkriege haben verhindert, dass sich in Deutschland diese kleinen Städte in der Stadt wirklich etabliert haben. Aber auch in Berlin formt sich etwas, dass einem Chinatown im weltweit bekannten Stil nahe kommen könnte. Ich ärgere mich heute noch dass ich das chinesische Neujahrsfest in Bangkok um zwei Tage verpasst habe und schon in Phnom Penh war, wo der Anteil der chinesischen Bewohner nicht sehr hoch ist. Bangkok hat mit der Yaowarat Road eine der ältesten Chinatowns, gegründet vor über 200 Jahren von chinesischen Händlern. Die Menschen chinesischer Abstammung leben hier größtenteils unter sich, behalten ihre Sprache, Religion, Kultur, Traditionen und Schrift bei.

In der Regel haben Chinesenviertel heute nicht mehr einen solchen schlechten Ruf wie früher. Schlechte strukturelle und hygienische Umstände haben dazu geführt, dass Chinesenviertel eher als Problemviertel gesehen wurden. Manche sind das auch heute noch, die Bevölkerungsdichte ist üblicherweise sehr hoch. Aber Chinatowns sind Touristenmagneten und in vielen blüht das Geschäft. Aber auch hier findet eine Gentrifizierung statt. Auch Nicht-Chinesen asiatischer Herkunft – auch bedingt durch den Vietnamkrieg – ziehen aus ihrer Heimat weg und suchen eine eher vertraute Umgebung. Sie ziehen in Chinatowns und verändern die Viertel. In den letzten Jahren entstehen keine neuen Chinatowns und ich vermisse das in Deutschland.

Eintauchen in eine andere Welt, authentisch chinesisches Essen und Vielfalt. Ich hoffe in Hamburg funktioniert das.

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