München

München meine Perle

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Münchner Rathaus
Als Münchner im Exil ist man jeder Menge Vorurteile über München und Münchner ausgesetzt. Und das Schöne ist: als Münchner stört einen das nicht sonderlich. Als Münchner ist es einem Wurscht wenn Nicht-Münchner sagen München wäre nur ein gewollt hippes Dorf. Oder die Münchner unfreundlich. Oder oberflächlich. Oder anstrengend. Es stört einen Münchner nicht, wenn Nicht-Münchner sich über den Dialekt (den sie im übrigen nicht von bayrischem Dialekt unterscheiden können) lustig machen. Mit Österreichern verwechselt zu werden stört ein bisschen. Oder mit Schwaben. Aber es geht.
Ich lebe seit fast fünf Jahren in Hamburg und habe außer hier und in München noch nie woanders gewohnt. Ich mag Hamburg. Sehr. Hamburg ist eine tolle Stadt. Aber ich liebe München. München ist nun mal meine Heimat. Und auch wenn die Stadt nicht so kosmopolit und das Nachtleben nicht so pulsierend ist wie in anderen Städten ist die oberbayrische Landeshauptstadt mehr als lebenswert. Zu unserer Firmenweihnachtsfeier war ich mit ein paar Kollegen in München und wir sind durch die Innenstadt gelaufen. Macht man in der eigenen Stadt ja viel zu selten bewusst. Mit „Touristen“ zusammen durch die Altstadt zu laufen und versuchen sich an die Geschichten und Legenden zu erinnern dich sich um die Gebäude und Anfänge der Stadt ranken ist ja auch kein Einkaufsbummel. Auch wenn ich die Sage um den Teufelstritt nicht mehr ganz zusammen bekommen habe und beim späteren nachgooglen feststellen musste, dass ich ein bisschen Quatsch erzählt hab wusste ich noch so ungefähr, dass der Teufel beim Bau der Frauenkirche ausgetrickst wurde. Von der Stelle des Abdruckes aus, der wie eine Schuhabdruck mit einem Sporn aussieht sah man seinerzeit keine Fenster und der Teufel – vorher wütend über den Bau noch einer Kirche – lachte und freute sich über den dummen Fehler der Erbauer. Vor Freude stampfte er mit dem Fuß auf und hinterließ eben jenen Teufelstritt. Erst später, als die Bewohner in die Kirche strömten fiel ihm seine Fehleinschätzung auf. Durch die Winkel in der Kirche und den Hochaltar (der heute nicht mehr steht) konnte er die Fenster nur nicht sehen. Wütend löste er sich im Wind auf und heute noch pfeift er einem auf dem Kirchenvorplatz um die Ohren. Ich mag solche Legenden!
Als Münchner weiß man auch, dass der Stasi und der Blasi (der Nord- und Südturm der Frauenkirche) unterschiedlich hoch sind, auch wenn der Unterschied nur wenige Zentimeter beträgt.
Alter Peter München
Und ein Münchner war auf jeden Fall schon mal auf St. Peter hinterm Marienplatz. Und nennt St. Peter den Alten Peter. Die Stufen sind nicht ganz ohne, ich gestehe, dass ich seit meiner Schulzeit nicht oben war. Aber der Ausblick ist toll, das weiß ich noch! Und als Kind fand ich die Münzprägestation großartig. Die Fünf-Pfenning-Stücke bekamen eine Prägung und eine lustige Form. Und ein Münchner weiß auch, warum der Alte Peter acht Uhren hat: Damit acht Leute gleichzeitig auf die Uhr schauen können. Und natürlich weiß ein Münchner, dass das der großartige Karl Valentin gesagt hat. Eigentlich hat der Alte Peter acht Uhren, weil die unteren vier Uhren irgendwann nicht mehr in der ganzen Stadt zu sehen waren und deswegen darüber noch mal neue angebracht wurden. Glaube ich mich auf jeden Fall zu erinnern. Der Alte Peter ist wirklich alt und stand wahrscheinlich schon vor der Gründung Münchens auf dem Petersbergl.
Blick über München
Wenn man dort ist kann man gleich auf dem Viktualienmarkt eine Leberkässemmel bei einer der lustig unfreundlichsten Damen am Platz kaufen oder Austern und Weißwein beim Poseidon am Viktualienmarkt (in dem es großartigen frischen Fisch zu kaufen gibt) zelebrieren. Einkaufen kann man Viktualienmarkt selber durchaus auch. Nicht alles ist teuer und auf jeden Fall kriegt man alles. Ich mag die Atmosphäre dort und überhaupt im Tal.
In der Altstadt gibt es so viel zu entdecken, vor Jahren hat mein bester Freund zu seinem Geburtstag eine Altstadtführung mit lauter Münchnern gemacht. Eine großartige Idee, sehr interessant und witzig! Kann ich jedem nur empfehlen.
Zum Surfen geht man an den Eisbach zur stehenden Welle. Als Teeniemädchen geht man dahin um den schicken Surfern zuzuschauen. In der Au war ich zugegeben viel zu selten, ich bin im Münchner Norden aufgewachsen und hab auch später dort gewohnt. Gearbeitet hab ich direkt bei der Theresienwiese, zur Wiesn-Zeit besonders interessant! In München ist man ja nicht nur gleich in den Bergen wo man Wandern, Langlaufen, Skifahren oder Boarden gehen kann, sondern auch an jeder Menge Seen. Vom kleinen Badesee über die Ruderregatta hin zu den großen gibt es hier jede Menge Möglichkeiten. Da braucht man gar kein Meer. Und in Italien ist man ja auch gleich.

Viktualienmarkt Munich
München ist eine tolle und extrem lebenswerte Stadt, vielleicht ein bisschen zu teuer, an manchen Ecken ein bisschen zu versnobt. Vielleicht manchmal ein bisschen zu konservativ. Was das Nachtleben angeht vielleicht ein wenig zu provinziell und für viele ein bisschen zu klein. Nur der Flughafen ist weit weg. Aber wenn man im Hauptbahnhof eincheckt, hätte man im Grunde genommen am Flughafen…Hauptbahnhof seinen Flug gestartet. Und in zehn Minuten… Ach ne, den Transrapid gibts ja nicht.

über

Diplom-Soziologin, Produktmanager, Certified ScrumMaster und DiveMaster. In Hamburg zu Hause, in München dahoam. Mehr zu mir gibts hier.

3 Kommentare

  1. Den Artikel „ München meine Perle “ find ich besonders gut .

  2. Hi Schla, kennst Du diese Artikelserie? http://www.herzdamengeschichten.de/der-rest-von-hamburg/ Über Hamburg, München und anderswo. Viel Spaß und guten Rutsch! LG