Angkor Kambodscha

Angkor – Das mächtige Khmerreich

Sonnenaufgang über Angkor Wat

Sonnenaufgang über Angkor WatIch hab lange hin und her überlegt ob Angkor jetzt nun so war wie ich es mir vorgestellt habe. Und ich komme zu einem eindeutigem Jein! Angkor Wat und die vielen anderen Tempel von Angkor sind beeindruckend und überwältigend, keine Frage. Die Dimensionen und Feinheiten dieser Bauten, die ausgeklügelte Technik die zur Erbauung notwendig gewesen sein muss so ganz ohne die Hilfsmittel der heutigen Zeit (man bedenke, dass wir noch nicht mal einen Flughafen in der Hauptstadt oder die Elbphilharmonie in Hamburg vernünftig hinbekommen). Die unglaubliche Arbeit die das erfordert hat und die Schönheit die dahinter steckt. Riesige künstlich angelegte Wasserbecken und ein Versorgungssystem unvorstellbaren Ausmasses. Historische Szenen so kunstvoll in Stein gemeisselt, dass daraus die Geschichte der Orte nachvollzogen werden kann. Das Herrschaftszentrum des historischen Khmerreiches umfasste rund 1.000 Quadratkilometer und gilt als größte Stadt der vorindustriellen Zeit. Heute ist die Anlage rund 200 Quadratkilometer riesig und beinhaltet mehr als 2.000 Tempel und Heiligtümer. König Jayavarman II legte um das Jahr 800 herum den Grundstein für das mächtige Khmerreich.

Organisatorisches

Ausgangspunkt für die Erkundung von Angkor ist Siem Reap das etwa 5 km entfernt liegt. Ich wollte mir drei Tage für Angkor Zeit nehmen, das entsprechende 3-Tage Ticket kostet 40 $ und gibt es vor Ort. Am Schalter wird ein Foto gemacht und das Ticket muss man an den einzelnen Tempeln immer wieder vorzeigen. Sollte man also besser nicht verlieren.

Ich hab mir in meinem Guesthouse eine Tour gebucht, die ist nicht ganz billig, vor allem wenn man sie alleine macht. Mein 3 Tage Plan wurde von starken Regenfällen am zweiten Tag etwas durcheinander gebracht, so dass ich letzten Endes nur den kleinen Rundkurs (Fahrer: 12 $), einen wegen Regen missglückten Sonnenaufgang bei Angkor Wat (Fahrer: 5 $) und den großen Rundkurs (Fahrer: 25 $) gemacht habe. Insgesamt habe ich für die 2 1/2 Tage an Eintritt und Fahrer also 87 $ Dollar ausgegeben. Die Wiege der Angkor-Kultur Phnom Kulen und den Beng Mealea musste ich leider ausfallen lassen. Ich bin aber sicher, dass ich noch mal nach Kambodscha zurück kommen werde, vielleicht ergibt es sich ja dann.

Der erste Tag war fast schon unmenschlich heiß und windstill, generell sind die Touren recht anstrengend und das Erklettern der einzelnen Tempel ist in der Hitze manchmal auch eine Herausforderung. Aber eine die sich lohnt.

Die Tempel die mich am meisten beeindruckt haben will ich hier vorstellen, eine gute Übersicht über die wichtigsten findet man bei Wikivoyage

Angkor Wat

Angkor Wat

Angkor Wat

Angkor ist nicht Angkor Wat! Angkor Wat ist „nur“ einer von vielen Tempeln in der Region Angkor. Der Tempel des „Gottkönigs“. Es ist das größte sakrale Bauwerk der Welt und dem hinduistischen Gott Vishnu gewidmet, erbaut unter der Herrschaft von Suryavarman II. Bei seinem Anblick kann man nur erahnen wie mächtig das Khmerreich einst gewesen sein muss. Apsara Tänzerinnen sind in die Wände eingearbeitet. Jede von ihnen einzigartig.

Leider hat Angkor Wat keine richtige Chance gehabt mich in diese Zeit zurückzuversetzen, mir vorzustellen wie es wohl gewesen sein mag all das zu erbauen oder hier zu wirken. Und das lag nicht an dem Tempel. Sondern daran, dass er einfach zu überlaufen ist. Horden von Touristen lärmen durch die Anlage, ignorieren die „Bitte leise“-Schilder, klettern überall rauf und Führer schreien durch ihre Megaphone ihre Gruppen an die komplette Gänge verstopfen, Reliefs anfassen, schreien, lachen und ihren Müll da lassen. Touristinnen in Bikinioberteil und Hotpants. Ja, es war extrem heiß und ja, es ist kein aktiver Tempel mehr. Aber ich finde das trotzdem respektlos. Und an einigen Säulen hab ich sogar Kritzeleien gesehen.

Beim Sonnenaufgang über Angkor Wat, einem wie ich hoffte magischen Moment waren betrunkene, grölende Gruppen die wohl einfach durchgemacht haben. Reisegruppen mit Regenschirmen, die sich vor einen stellen und Leute mit sehr großen Komplexen die eine extra starke Taschenlampe dabei haben, damit durch die Gegend leuchten und die Stimmung (und die Bilder) kaputt machen. Es ist wirklich traurig wie wenig Rücksicht Menschen aufeinander nehmen, aber das ist mittlerweile wirklich ein generelles Problem und führt jetzt wahrscheinlich zu weit.

Angkor Wat habe ich also nur angesehen, zu mehr war kein Platz. Gott sei Dank verlaufen sich die Massen im Laufe des Tages etwas und bei einigen Anlagen war dann kaum jemand ausser mir.

Und hier entsteht dann tatsächlich diese leicht mystische Stimmung, die ich schon in der Halong Bucht wahrgenommen habe. Wenn es ruhig ist kann man sich fast vorstellen wie es hier früher ausgesehen haben mag, wie die Heiligen in den Tempeln verehrt wurden und wie Mönche und Priesterinnen hier lebten. Nonnen trifft man gelegentlich in den Ruinen. Sie beten an Schreinen und wenn man mit ihnen zusammen ein Räucherstäbchen entzündet und mit ihnen betet geben sie gegen eine kleine Spende ihren Segen. Während die kahlrasierte Nonne einem ein rotes Bändchen um das Handgelenk bindet betet sie für ein langes und gesundes Leben. Der Segen verliert erst seine Wirkung wenn das Armband sich von selbst vom Körper löst. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.

Bayon – Angkor Thom

Der Bayon hat mich nachhaltig beeindruckt. Der einstige Haupttempel von Angkor Thom, erbaut von Jayavarman VII zeichnet sich vor allem durch die charakteristischen Türme aus in denen in der Regel an jeder Seite meterhohe Gesichter in den Stein gemeißelt sind. Heute stehen noch 37 dieser Türme, wieviele es einst waren darüber ist man sich nicht wirklich sicher.

Bayon

Bayon

Baphuon – Angkor Thom

Ganz in der Nähe ist ein weiterer sehenswerter Tempel. Baphuon ist ein riesiger Tempelberg gewidmet der Hindu-Gottheit Shiva. Der Tempel war fast komplett eingestürzt und wurde mühevoll mit den Original-Steinen rekonstruiert. Der Aufstieg lohnt sich, von oben hat man einen tollen Ausblick.

Baphuon

Baphuon

Ta Prohm – Angkor Thom

Ta Prohm ist wohl vor allem dadurch bekannt, dass man sich hier entschieden hat die Überwucherung des Klosters durch Würgefeigen so zu belassen wie man sie bei Wiederentdeckung von Angkor vorgefunden hat. Und das sieht tatsächlich spektakulär aus. Die überwachsenen Gebäudeteile sind wirklich sehenswert! Bekannt ist der von König Jayavarman VII erbaute und seiner Mutter gewidmete Komplex auch als ein Handlungsort von Lara Croft: Tomb Raider.

Ta Prohm

Würgefeigen haben Ta Prohm im Griff

Östlicher Mebon

Der einstige Inseltempel stand in einem großen Baray, das mittlerweile aber trocken liegt. Eine sehr schöne Anlage, durch die ich ganz alleine Streifen durfte. Zur Mittagszeit war hier nichts los.

East Mebon

Inseltempel östlicher Mebon

Preah Khan

Ein eindrucksvoller Weg auf das Gelände erfolgt über eine Naga-Balustrade. Nagas, mehrköpfige Schlangengottheiten aus der indischen Mythologie begegnet man überall in Südostasien. Auf der linken Seite wird die Naga von Göttern, auf der rechten Seite von Dämonen gehalten. Auch hier sind Teile des Tempels von Würgefeigen überwuchert.

Nagabalustrade

Gott der die Naga hält

Banteay Srei

Der Banteay Srei, der außerhalb der großen Rundtour liegt und fast 40 Kilometer von Siem Reap entfernt ist ein schöner Tempel, allerdings komplett überlaufen von Reisegruppen, die hier mit großen Ausflugsbussen einfallen. Der Besuch hat sich wegen der dadurch entstanden Hektik dort leider nicht richtig gelohnt.

Banteay Srei

Banteay Srei

Wie gesagt ist das hier nur ein sehr kleiner Ausschnitt der Tempel, die man in Angkor besichtigt. Die 200 Bilder umfassende und – wie ich finde – sehenswerte Galerie zu fast drei Tagen Angkor gibt es hier.

Mein Fazit: Ja, Angkor muss man gesehen haben! Je früher desto besser. Schade, dass viele Touristen keinerlei Respekt zeigen. Weder der Kultur und den Khmer gegenüber noch anderen Touristen.

3 Kommentare

  1. Frank Boes

    Dein nächster Job sollte Reisejournalistin werden. Informativ, ehrlich und unterhaltsam echt super. Für uns zuhause eine schöne Möglichkeit etwas zu erleben ohne weg zu sein. Danke und weiter so.

  2. Amelie Hauch

    Ich lese ebenfalls gerne und kann Dein Unwohlsein ob der Touristenladungen verstehen. Es ist schwer, auch alleine, sich von einer Busladung zu lösen. Hört sich trotzdem nachahmenswert an, viel Freude weiterhin! Und lass Dir die Laune nicht von ein paar Regentropfen verhageln :)