Kambodscha Sihanouk Ville

Mein Motorbike und ich

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Victory Hill in Sihanouk Ville an der Küste Kambodschas und ich wir wurden von Anfang an nicht richtig warm miteinander. Ich wollte mir hier ein paar gemütliche Strandtage gönnen und hab mich in einem günstigen Hotel eingebucht. Nach einer 4-stündigen Busfahrt (die 6 Stunden dauerte) und einem kurzem Motorbike-Trip kam ich an meinem Hotel. Wirklich nett, wirklich günstig und wirklich große Zimmer. Klingt ja eigentlich nicht schlecht. Vielleicht hätte ich vorher doch mal zumindest den Lonely Planet überfliegen sollen oder mich mit Leuten unterhalten, die sich damit auskennen. Was da nämlich drin steht fiel mir schon nach ein paar Minuten auf. Victoria Hill wird übervölkert von sehr unattraktiven, sehr alten Männern die sich beim Frühstück gegenseitig zu übertreffen versuchen wer die geilere und willigere Kambodschanerin für wieviel Geld mit ins Hotel genommen hat. Viele Russen aber auch viele Deutsche. Viele Unsympathen auf einem Haufen. Recht viel schlimmer kanns in Pattaya auch nicht sein. Nach sehr viel Fremdschämen und Ekel hab ich mich dann entschieden hier trotz schon gebuchtem Hotel nicht viel Zeit zu verbringen.

Wagemutig mietete ich mir ein Motorbike für 5 Dollar pro Tag in dem festen Glauben mit dem kambodschanischen Verkehr hier schon zurecht zu kommen. Und ich sollte Recht behalten. Wie ein alter Hase navigierte ich mich auf meinem Gefährt die 20 Kilometer zum beschaulichen Otres Beach. Und ja, hier gefällt es mir schon deutlich besser, wobei ich ehrlich gesagt mehr erwartet hatte und die nahegelegene vietnamesische Insel Phu Quoc deutlich schöner ist. Aber ich hab mir einen sehr entspannten Tag am Strand gemacht, viel geschlafen, gelesen und lecker gegessen und getrunken. In ein paar Tagen zieh ich hierher um, aber das Hotel in Victory Hill hab ich bei Agoda schon bezahlt. Mit meinem fahrbaren Untersatz ist das auch kein Problem.

Otres Beach

Otres Beach – Sihanouk Ville

Von den obligatorischen Tuk Tuk – Fahrern angesprochen auf meinem Rückweg winkte ich mehr als lässig ab und zeigte auf meinen Helm. Sehr badass setze ich mich auf meine Air Blade und starte. Und nichts passiert. Doch, es macht Lärm, aber das Ding springt nicht an. Peinlich. Ätzend. Die Tuk Tuk – Fahrer schmunzeln und vermuten erstmal, dass ich kein Sprit mehr habe. Kurz glaube ich daran, dass mir jemand den Tank leer gesaugt hat, aber die durchaus freundlichen Kerle schütteln und rütteln wie wild und kommen offenbar zu dem Schluss, dass ich durchaus noch Benzin habe. Ich versteh sie schlecht, ich spreche kein Khmer, aber jeder darf mal versuchen, ob er das Ding nicht doch zum Laufen bringt. Jeder rüttelt mal dran rum und fast jeder schaut fachmännisch auf den Motor. Mittlerweile hat sich auch ein englisch sprechender hilfsbereiter Kambodschaner dazugesellt, es stehen rund acht junge und alte Männer um mich und mein Gefährt. Ich werde auf die Werkstatt verwiesen, gar nicht weit von hier und glaube spontan an Manipulation.

Motorbike

Mein Motorbike, hier schon kaputt

Aber hilft ja nichts, ich schiebe also und keine 100 Meter weiter treffe ich auf den nächsten Haufen hilfsbereiter und fachkundiger Kambodschaner. Ich mein das übrigens überhaupt nicht sarkastisch. Alle waren wirklich nett und als auch diese Gruppe keinen Erfolg hatte, hat ein junger Kambodschaner auch für mich das Telefonat mit dem Vermieter geführt. Weil auch dafür mein Khmer zu schlecht war. Eine schlappe Stunde später kamen zwei Jungs auf einem Motorbike, den einen kannte ich aus dem Hotel. Er stieg auf mein Motorbike und ich sollte hinter dem anderen Platz nehmen. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste war, dass wir die 20 Kilometer nebeneinander her fahren würden, während mein Fahrer mit dem Fuß das andere Motorbike anschob. Ich hatte mich schon fast daran gewöhnt, als wir ein paar Kilometer vor dem Hotel doch an einer Werkstatt anhielten und jetzt zurück ins Hotel fahren würden. Zu dritt. Auf einem Motorbike. Nicht unüblich in Südostasien, drei auf einem Bike sind sogar eher wenig, ich hatte allerdings noch nicht das Vergnügen. So saß ich also, äußerlich völlig cool aber doch ein bisschen verkrampft zwischen den beiden Jungs auf dem Bike. Kann man mal machen. Ich hab ein neues Bike bekommen, morgen versuch ich’s dann nochmal allein. Aber die Jungs werden mir fehlen.

20 km like this

Und ich dachte schon mir würde hier nichts Spannendes passieren.

über

Diplom-Soziologin, Produktmanager, Certified ScrumMaster und DiveMaster. In Hamburg zu Hause, in München dahoam. Mehr zu mir gibts hier.

1 Kommentar

  1. Helmut Schaller

    Hey Anja, für solche Pannen hat dir Papa doch den Leatherman mitgegeben.